Herausforderungen

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Begonnen hat es 1980, als die Sowjetunion erstmals einigen jüdischen Familien die Auswanderung nach Deutschland gestattete. Mit dem Zusammenbruch des Kommunismus jedoch brach eine Welle los, die noch längst nicht abgeebbt ist.

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seminar2Juden ließen sich in Deutschland nieder, weil es ihnen in Anerkennung seiner historischen Verantwortung und der Last seiner Vergangenheit großzügige Eingliederungshilfen bereitstellte. Die Regierung bot eine schnelle Einbürgerung an, medizinische Versorgung, Sprachkurse, Berufsausbildung und eine freie erstklassige Ausbildung für die Kinder von der Grundschule bis zur Universität.

Hätte man die Neuankömmlinge in ein paar großen Städten untergebracht, wäre manches leichter gewesen. Doch im Versuch, die Last der Sozialleistungen für so viele Neueinwanderer aufzuteilen, schickte die Bundesregierung sie in eine Unzahl verschiedener Städte und sogar Dörfer im gesamten Land. Für die Regierung war das zwar sinnvoll, doch im Bestreben, lebendige jüdische Gemeinden zu schaffen, erwies sich dieses Vorgehen als großes Hindernis. Viele junge Juden in Deutschland haben auf diese Weise heute wenig bis gar keinen Kontakt zu jüdischem Leben.

Die Lage ist nicht weniger kritisch in den größeren Städten mit etablierten Gemeinden, wo Jugendliche unbemerkt durchs Netz fallen, während sie die Sprache lernen, zur Schule gehen oder eine Arbeit suchen.

Die Herausforderung ist immens – wie können diese jungen Juden, die in einer atheistischen Sowjetunion aufgewachsen sind, plötzlich jüdisch zu leben beginnen, wenn sie auf ein großes Land verstreut sind, dessen jüdische Gemeinden personell unterbesetzt und überfordert sind?

Aber das ist nicht einmal die einzige Herausforderung. Neben den aktuellen Problemen lauern die Schrecken der Vergangenheit. Wie, haben viele uns gefragt, kann eine jüdische Zukunft im Lande der Schlächter geschaffen werden?

Unsere Antwort: in Deutschland leben inzwischen mehr als 120 000 Juden. Wir können das weder verurteilen noch ändern. Wir haben nur eine einzige Aufgabe: ihnen auf jede erdenkliche Weise zu helfen.